Neuleininger Mühlen

Die Obermühle zu Neuleiningen-Tal

Die unterhalb Neuleiningen gelegene Obermühle hat eine lange und vielseitige Vergangenheit:
Von der Getreidemühle und Papiermühle entwickelte sie sich zur Steingutfabrik und beherbergt heute die Spedition Schulz. Sie befand sich im Besitz verschiedener, in der Gegend oft sehr bekannter Müller- und Papiermacher-Geschlechter, die teils durch tödliche Unfälle des Müllers oder durch die vielen Not- und Kriegszeiten ihr Hab und Gut verloren hatten. Die frühesten Quellen berichten von Hans Becker aus Kleinkarlbach, der 1615 von dem Müller Madern die Obermühle zum Preis von 800 Gulden erkaufte. Es folgten die Müllerfamilien Geißler, Lang, Friedrich, Mann, Mayer und Müller.
Laut Akt vom 16. April 1858 verkaufte Jacob Müller die Obermühle an David Adler zum Preis von 16000 Gulden. Nach dem Eintrag im Urkataster aus dem Jahre 1841 bestand der Besitz aus einem Wohnhaus mit Papiermühle und Keller, Getreidemühle mit 2 Mahlgängen und 1 Schälgang, Scheuer mit Keller, Stall, Waschküche, Kelterhaus, Holzschuppen, Hofraum mit Röhrbrunnen und Wasserrecht, um aus der Woogquelle mittels Wasserleitung (Deicheln) dasselbe zu nutzen.
Am 16. Mai 1864 wurde dem Gesuch des David Adler von Neuleiningen nach Erteilung einer Konzession für die Errichtung einer Porzellanfabrik stattgegeben. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die Geschäfte schlecht, da die Steingutware immer mehr durch Emaille- und Aluminiumgeschirr verdrängt wurde. Die Belegschaft hatte unter Selbstaufopferung vergeblich eine Sanierung versucht, indem sie einige Wochen nur 5 RM Wochenlohn beanspruchte, während der Rest des vereinbarten Wochenlohnes dem Unternehmen zugute kam. Am 14. Juli 1933 wurde die Gesellschaft aufgelöst, am 28. Juni 1937 war die Liquidation beendet. Die siebzehn großen Öfen wurden abgerissen und der 40 m hohe Kamin am 3. September 1938 gesprengt. Die Produktion wurde in den Jahren 1929/30 eingestellt.

Die Felsenmühle zu Neuleiningen-Tal

Schon 1490 ist in einem Erbestands-Verleihungsbrief zu lesen, daß Pfalzgraf Philipp der Aufrichtige und Joannes von Dalberg, Bischof zu Worms, dem Hansen von Bergnitz, Zimmermann, und Elßen, dessen Eheweib, gegen jährlich 2 Pfund Heller einen Platz samt dessen Bezirk zur Überbauung erblich verliehen haben. Viele spätere Erbbeständer folgten. Unredliche Machenschaften gab es auch schon damals: So leitete der Obermüller Geißler das Wasser nach eigenem Gebrauch nicht weiter in den Triebwerkskanal zur Felsenmühle, sondern gleich in den Eckbach. Da die Unterlieger wegen des fehlenden Wassers nicht mehr mahlen konnten, mußte die Felsenmühle infolge der Einkommensverluste versteigert werden. Steigerer der Mühle war natürlich Mathias Geißler, der das gleiche Spiel später nocheinmal mit der unterhalb liegenden Walkmühle betrieb. Die Folge waren Auseinandersetzungen und nachfolgende Prozesse nicht nur unter den beiden Müllern, sondern auch zwischen den zwei Herrschaften Hochstift Worms und dem Grafen Leiningen-Hardenburg-Emichsburg. M. Geißler stellte außerdem den ersten Antrag auf Weinausschank in dieser Mühle an den damaligen Lehensherrn, das Hochstift Worms, und erhielt nach Prüfung des Antrages durch das Hochstift und das Amt Neuleinigen am 31. Mai 1749 die Genehmigung.
Am 8. April 1897 wurde vom Gemeinderat Kleinkarlbach die Konzession zum Betrieb einer Gastwirtschaft erteilt. Später erwarb die Steingutfabrik A. G. Jacobi, Adler & Cie. die Mühle zur Glasurherstellung. Die anderen Baulichkeiten sowie die Gastwirtschaft wurden vermietet, u. a. an die Bierbrauerei Gebr. Jost. Nach Liquidation der Firma 1937 ersteigerte der damalige Pächter Seibert das Anwesen. Während des Krieges 1939-1945 wurde der Tanzsaal der Felsenmühle als Kriegsgefangenenlager benutzt. Im Januar 1988 erwarb die Firma LKS das Anwesen, das sich damals in einem desolaten Zustand befand. Es waren viel Fleiß, Ausdauer und Mittel nötig, um im Jahre 1994 eine Weinstube mit Hotel und 1996 das Restaurant "Mühlenstube" eröffnen zu können.